Deutsche Einheitswarenhäuser – eine Vision im Zwielicht

von Sascha Tamm, IUF

Immer einmal wieder geistert die Idee einer deutschen Warenhaus AG, also eines Unternehmens, das die beiden überlebenden deutschen Warenhausketten Kaufhof und Karstadt vereinigt, durch die Debatte. Nur so könne in Deutschland die traditionsreiche Branche überhaupt überleben. Dieses Argument gibt Anlass zu ernsthaften Zweifeln: Eine Branche mit nur einem Unternehmen, dass aus der Fusion zweier, vorsichtig gesagt, derzeit nicht besonders profitabler Partner zusammengebaut wird, verspricht wenig Innovation und Kundenorientierung, da der Wettbewerb wenigstens vorläufig minimiert wird. Wer daran interessiert ist, dass es auch in Zukunft in deutschen Innenstädten Warenhäuser gibt, sollte nicht an der Konzentration in einem Unternehmen, sondern an der Existenz mehrerer Anbieter interessiert sein.

Derzeit versucht die Signa Holding des Unternehmers René Benko, der Karstadt gehört, Kaufhof vom kanadischen Eigentümer zu übernehmen. Die Signa Holding ist dagegen auf Immobilien fokussiert, wenn man ihr auch einige, jedenfalls kurzfristige Erfolge bei der Rettung von Karstadt, das für einen Euro übernommen wurde, nicht absprechen kann.

Hinzu kommt der, vorsichtig gesagt, zweifelhafte Ruf des potentiellen Käufers. Es ist interessant, wie sehr sich der öffentliche Ruf von Benko und seiner Holding Signa in der veröffentlichten Meinung in den letzten Jahren gedreht hat: er gilt jetzt als Retter von Karstadt. Seine dubiosen Finanzierungsquellen, die ihm beim Kauf von Karstadt noch vorgehalten wurden, scheinen vergessen.

Doch das Benko’s Angebot – das sofort und unmissverständlich abgelehnt wurde – ruft Erinnerungen an die noch vor kurzem kritisierten Praktiken wach. Das zeigt der Blick auf einige Details.

Signa will den Deal im Wert von ca. 3 Mrd. Euro auf mehreren Wegen finanzieren: So solll ein Darlehen der LBBW übernommen werden, das mit den Immobilien von Kaufhof gesichert ist. Es ist vollkommen unklar, ob die Bank zustimmt und ob sie aus rechtlichen Gründen überhaupt zustimmen kann.

Ein weiterer großer Teil der Kaufsumme wird dadurch finanziert, dass Benko Unternehmensanteile im (angeblichen) Wert von ca. 1 Mrd. Euro aus seiner Familienstiftung an Signa im Rahmen einer Kapitalerhöhung überschrieben hat. Doch gibt es hierzu keine Marktpreise, sondern nur schwer überprüfbare Bewertungen. Die Vermutung liegt nahe, dass deshalb sehr schnell ein hoher Druck aufkommen wird, Immobilien zu verkaufen bzw. anderweitig zu vermieten. All das ist nicht illegal – aber es fördert weder den Wettbewerb noch schafft es verbesserte Angebote für die Kunden.

Hinzu kommt, dass die absehbaren Entwicklungen nach einer möglichen Fusion das Bild, das in der Öffentlichkeit von Marktwirtschaft und Unternehmern besteht, weiter verschlechtern wird. Es geht nicht vorrangig um bessere Angebote für die Kunden, sondern um die Kontrolle von Immobilien. Finanziert wird das auf intranparente und langfristig Probleme schaffende Weise. Es wäre also aus mehreren Gründen besser, wenn dieser Deal nicht zustande käme. Das heißt nicht, dass die Warenhäuser in einer der beiden Varianten – in einem oder in zwei Unternehmen – überleben. Das werden die Kunden entscheiden – jedenfalls dann, wenn sich der Staat mit Subventionen und Rettungspaketen heraushält.

 

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